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Stand: 14.12.2017

Eine Diskussion zum Thema: Leder härten mit Wachs und Öl.

Übersetzung aus dem Amerikanischen.

<Pesch> Aus eigener Erfahrung ist 200° viel zu heiß um Leder mit Wachs zu härten.  Normalerweise schmelze ich Wachs in einem Wasserbad, dann das Leder nach dem Wässerungsprinzip formen, und, nachdem es getrocknet ist , ins Wachs eintauchen. Große Hitze ist nicht erforderlich, nur genug, um das Wachs flüssig zu halten. Falls der Topf zu klein für das Lederstück ist, wird das Leder mit Hilfe eines Haarföns oder einer Heißluftpistole erhitzt oder im Backofen, und dann mit Wachs bestrichen.

Und halten sie sich besser fern von den fett-gegerbten und zugerichteten Ledern, wenn Sie Leder härten wollen, nehmen sie Anilin- oder pflanzlich gegerbtes Leder. Nur diese können das Wachs gut aufnehmen und härten sauber aus.

<Balderik> Meines Erachtens ist das etwas irreführend. Eine exzellente Beschreibung über die mitwirkende Chemie siehe Ancient Skins, Parchments and Leathers bei R.Reed. Der Witz dabei ist, es ist nicht das Wachs selbst, das das Leder härtet, sondern die Hitze, die nötig ist, um das Wachs zu benutzen. Cuir Bouilli [der Effekt, dass sich die Fasen im Leder zu einer stabilen dreidimensionalen Stuktur verknüpfen], kann ohne Wachs stattfinden (aber Wachs verleiht dem Leder zusätzlich Dichte, Gewicht und wirkt wasserabweisend). Die strukturellen chemischen Veränderungen, die für den Cuir Bouilli Effekt verantwortlich sind, sind nur bei vegetabil gegerbten Ledern erzielbar. Andere Lederarten werden unter dem Einfluss von Hitze und Wachs etwas härter, aber es ist nicht Cuir Bouilli. Angenommen, dass einige Härtung des Leders ohne den Einsatz von Wachs erzielt werden kann (allein durch das Austrocknen durch Hitze) und dass das Wachs nur zusätzliche Eigenschaften verleiht, ist meine Argumentation die, dass diejenigen, die das Leder sofort mithilfe von Wachs härten, die gewünschte Härte auch allein durch die Hitze erzielen können, und kein Wachs benötigen.

<Roth> Ich dachte, die Härte würde durch Infiltration des Fasergewebes durch das Wachs und die anschließende Aushärtung verursacht - wie es nach R. Reed die Gerbstoff-Polymere tun. Es ist auch eine Frage des Verhältnisses zwischen zusätzlichem Gewicht und gewonnenem Härtegrad.

<Pesch> ... Ich habe beide Arten, Kaltwasser / Nassformen und Heißwasser-Methoden, benutzt um Leder zu formen. Ich finde, dass durch Wachs Lederstücke entstehen, die den heftigen Kämpfen wie z. B. in der SCA-Szene besser standhalten, besonderes hier im schwülen verrückten Klima in Trimaris (Florida) ist die Wachsmethode viel besser als andere Methoden.

<Balderik> Oh, das ist keine Frage, dass Wachs größere Dichte und wasserabweisende Effekt hervorruft. Meine Pointe zielte darauf ab, dass der größte Teil der Härtung durch die Hitze entsteht. Die durch den Wachsprozess erzielte Härte, die viele Leute bekommen, könnte allein durch die für den Aufsauprozess notwendige Hitze entstehen, nicht aber durch das Wachs selbst. (Leute, die Wachshärter benutzen, ausgeschlossen.) - Ich habe meine Rüstung ohne Wachs gehärtet, habe aber nachher Wachs eingesetzt, um den Effekt zu verstärken.

<Roth> Der Grund, wieso ich glaube, dass Wachs der Hauptfaktor ist, entgegen den Argumenten der Hitze-Schwellung des Collagens usw., sind einerseits Berichte, dass mit Wachs imprägniertes Leder in der Sommer-Hitze wieder weich wird, und andererseits Informationen, dass Wachs als Weichmacher eingesetzt wurde (wie Reed es ebenfalls beschreibt). Vielleicht liege ich damit falsch, es ist nur eine Meinung.

<Balderik> Der Cuir Bouilli Effekt (sprich Härten durch Hitze) ist, soweit ich weiß, unumkehrbar. Das Weichwerden in der Sonne wäre der Verlust der Härte, die das Wachs gegeben hat. Falls der Härteverlust beträchtlich ist, würde ich annehmen, dass wenig Hitze zur Härtung eingesetzt wurde. Meine Rüstung weicht wenig in der Sonne. Bei den Gelegenheiten, wo das Weichen beträchtlich ist, würde ich sagen, dass Sie Recht haben, dass das Wachs tatsächlich für die Härte verantwortlich war. Mein Empfinden ist, dass die zusätzliche Steife, Dichte und Wasserabweisung ihren Wert haben, aber mein Leben hängt nicht am seidenen Faden wie das eines Kriegers im Mittelalter. Ein anderer Punkt, der in Betracht gezogen werden sollte, ist der Preis für Wachs im Mittelalter. Bienenwachs war wegen der Kerzen-Herstellung sehr gefragt. Leder mit Wachs zu behandeln, wenn es genauso gut mit der Hitze-Methode allein gehärtet werden konnte, könnte als extravagant angesehen worden sein. Leider muss ich Unkenntnis über den Marktwert von Wachs im Mittelalter zugeben. Vielleicht wurden kostengünstigere Methoden zwecks Wasserabweisung eingesetzt, wie z. B. Talg, das, glaube ich, nur einen kleinen Effekt auf die Lederhärte hatte.

<Master Duncan Saxthorpe of Alnwick (West)> Gerne können Sie folgende Methode zur Lederhärtung in zukünftigen Berichten erwähnen: Benutz eine Mischung aus einem Teil purem weißen Bienenwachs (weniger süß riechend) und einem Teil puren Canubawachs (Grad 1 / das richtig, richtig harte Zeug). Ich benutze einen kommerziellen Bräter, der gerade so auf meinen Gasgrill passt. Aus Gründen der Brandgefahr und weil die Wachsmischung sogar von Edelstahl-Arbeitsplatten schwer zu entfernen ist, verlagere ich die Prozedur nach draußen. Die Mischung wird bei mittlerer Hitze sanft erhitzt, wobei zwischen Bräter und Rost eine sehr starke Schicht Alufolie gelegt wird, damit die Hitze sich besser verteilt. Sobald das Wachs ziemlich heiß ist (ein Stück Sohlen-Leder bildet innerhalb einer Minute sehr viele gleich verteilte Bläschen auf der Innenseite) koche ich meine geschnittenen, gefärbten und trockenen Lederstücke für ca. 2-4 Minuten. Wie Sie erklärten, kann das Leder durch zuviel Hitze ruiniert werden, aber diese sehr schweren Leder scheinen mehr zu verzeihen als 10-12ounce Leder. Naja, sobald das Leder vollgesogen ist, nehme ich es heraus - mit einem Handtuch, das ich nie wieder sehen will - streife ich es ab, unter laufendes Wasser wird es dann geformt. Das Leder fixiert sich innerhalb ein paar Minuten und ist nach ungefähr 12 Stunden vollkommen trocken. Wachsbehandeltes Leder verhält sich sehr gut in der Kalifornischen Hitze mit wenig Aufweichung (circa zweimal so fest wie einfache Bienenwachs-Rüstungen) und kann durch Erhitzen im Backofen neu verformt werden.

<Cliff T. Wilkey> So, wie ich gehört habe, wurde das Leder in eine Form getan. Diese Form war aus Holz und hatte zwei große Hälften. Das Aussehen der Rüstung war in das Holz eingeschnitzt. Das Leder wurde dann in die Form gepresst und diese mit kochendem Bienenwachs aufgefüllt. Dannn wurde es zum Auskühlen zur Seite gelegt.

D. Was ist der Unterschied beim Schmelzpunkt zwischen Bienenwachs und Paraffin usw.? Wäre es nicht sinnvoller ein Wachs zu nehmen, der einen höheren Schmelzgrad hat gegenüber einem niedrigeren?

Soweit ich weiß, schmelzen Bienenwachs und Paraffin ziemlich gleich (auch gut zusammen vermischt, wenn man Bienenwachs strecken mag). Persönlich habe icht nichts gefunden mit einem ausreichend hohen Schmelzgrad, um eine Weichung in der Sonne zu verhindern (in Oklahoma), aber, es gibt eine Art Crystal (Styrene), den man in Hobbyläden kaufen kann - wenn diese mit dem Wachs geschmolzen werden, erhöht das den Schmelzgrad. Gute Ergebnisse erzielt man mit einer 2:1 Mischung von Paraffin zu Bienenwachs.

Leider, um so heißer der Schmelzgrad, um so heißer muss der Ofen sein, damit das Leder heiß genug wird, um das Wachs aufzunehmen. Ich habe zu viele Stücke, die geschrumpft sind, um richtiges Hartwachs zu riskieren (aber ich glaube irgendwann muss ich es probieren).

E. Gibt es irgendeinen Beweis für gewachstes Leder im Mittelalter? Oder ist es glaubhaft, dass Leder als Rüstung eingesetzt wurde? Spekulation: Ich könnte mir vorstellen, dass beim Zusammenbringen von organischem Material mit Leder, z. B. Wachs, dieses schneller verrotten könnte als das Leder. Es ist wohl anzunehmen das nach 400 Jahren Begräbnis das Wachs nicht mehr erkennbar ist. Gewissermaßen glaubwürdiger ist aber auch, dass mit Wachs gehärtete Lederrüstungen nicht in einer Periode benutzt wurden, bzw. in keiner der klassischen Rüstungen-Perioden, entweder weil sie zu kostspielig waren und es eine Verschwendung geweeesn wäre, oder weil es zu schwierig war, einen normalen Ofen so niedrig zu temperieren, dass das Leder nicht zerstört wurde, oder auch aus anderen Gründen. Ich hätte geglaubt dass die Zivilisationen rund um den Mittelmeer-Raum ziemlich viel Schwierigkeiten bekommen durch die Sonne, aber ich wurde von Leuten, die ich ausgestattet habe, informiert, dass die Rüstungen in der Texas/Oklahoma-Sonne nach einem ganzen Tag etwas weich aber schnell wieder hart wurden. Merken Sie sich, dass es, soviel ich weiß, keinen Beweis dafür gibt, dass gewachstes Leder für etwas anderes eingesetzt wurde als Flaschen aus der Elizabethen Zeit, sowie Becher, Messerscheiden usw.

F. Ist es möglich / effektiv das Leder von der Innenseite zu wachsen statt von außen? Fakt ist, dass es besser ist, weil das Wachs nicht von außen durchziehen muss. Ich weiß nicht, ob die Hitze das Fell lösen würde, oder andere komische Dinge machen.

G. Wachsen von geöltem Leder:

Ich habe nie Alkohol eingseetzt um geöltes Leder zu bearbeiten, aber sei nicht überrascht, wenn übrig gebliebener Alkohol das Wachs zerstört ( Wachs wird mit Alkohol von Schuhen abgezogen). Das Wachsen von geöltem Leder kann einen hässlichen Effekt machen, aber mit Geduld kann man es ausgleichen (ich habe einen Becher, der monatelang öliges Wachs abgegeben hat, jetzt ist es aber ein prima Beispiel von gehärtetem Leder).

H. Darf ich gegerbte Felle mit den Haaren darauf wachsen?

Die können mit Chrom gegerbt sein, oder es wurden Mineralsalze eingesetzt. Das Wachs sollte die härten, aber ich habe es noch nie versucht mit intakter Behaarung. Falls zuviel Wachs benutzt wird, kann es sein, dass das Fell wachsig wird.

Leder härten mit Öl

3.Öl?

<Roth> Viele Leute glauben dass man nicht in Öl kochen sollte. Öl wird eingesetzt um Leder weich zumachen, alles was kochen mit Öl mir gegeben hat war ein glitschiges Etwas - besser begraben und undefiniert, im Übrigen: so wird Fleisch frittiert.

<Balderik> Kochendes Öl ist viel zu heiß. Ich habe noch nie die Methode mit kochendem Wasser, wie bei Reed erklärt, ausprobiert, aber er sagt, es soll nur sehr kurz eingetaucht werden (auf die Stärke gesehen). Das Härten ist nur bei vegetabil gegerbtem Leder möglich.

<Rondeau> Eine Warnung: Tauche kein Leder in eine heiße Substanz, solang das Leder im kaltem Zustand ist. Ich habe es mal gemacht, um einen Teil eines Pauldrins (Schulterschutz) zu machen. Ich konnte zusehen wie es frittiert wurde, es kam raus wie ein Stück Frühstücksspeck. Es war nicht besonderes brauchbar. Vielleicht durch vorheriges Anheften auf einer Form, dann im Öl kochen?? Irgendeine Idee?

<Roth> Jetzt wo Sie es sagen, ich habe eine Flasche, die ich letztes Jahr gemacht habe, aus bestimmten Gründen bis zum Verschluss mit Neatsfoot Öl gefüllt, ich habe sie dann in ein Nebenzimmer gestellt, um das Öl setzen zu lassen und habe sie vergessen. Nach drei Monaten sommerlicher Nord-Ansteorran-Sonne drauf, war die Puppy (Welpe, (also die Flasche) hart gebacken. Ich habe eine gleichwertige Erfahrung mit dem Vorderteil einer Mappe die im Heckfenster meines Autos gelegen hat. Sie war auch mit Neatsfoot Öl behandelt.

Leinöl als Versiegelung

<Pesch>  Wir haben alle von fehlgeschlagenen Versuchn, Leder in Öl zu kochen um es zu härten, gehört. Ich habe neulich erklärt bekommen, dass gekochtes Lein-Öl eine Versiegelung ist. Hat jemand jemals dies als ein Medium ausprobiert? Ich werde es nach Erledigung meiner jetzigen Aufträge an ein paar Lederresten versuchen, aber falls jemand bereits Erfahrungen gesammelt hat, würde ich die gern hören.

<Balderik> Gekochtes Leinöl ist mit Bestandteilen versehen, die es schneller trocknen lassen. Ich bin nicht klar, was für eine Auswirkung dies auf Leder haben könnte. Wenn die Versiegelung steif trocknet, könnte mann Probleme mit Rissen bekommen. Ich habe aber Leder mit ungekochtem Lein-Öl behandelt. Weil es aber bei niedrigeren Temperaturen oxidiert, habe ich eine schnellere Vergilbung als bei Neatsfoot Öl bekomme. Das Endresultat ist, eine teilweise Öl-Gerbung bekommt. Ich bin nicht sicher wie die Langzeit-Stabilität sein wird, da das Leder, das ich behandelt habe, Anilin-gegerbtes Elchfell mit Pelz war, das ich als erste Rüstung für mich gemacht habe (Kandidat für der offensivste Rüstung aller Zeiten, vom Aussehen genauso wie im Geruch). Ich habe es seit langem nicht mehr benutzt, das Leder fällt langsam auseinander. Nicht sicher ob es wegen der Behandlung mit Lein-Öl ist oder wegen der Gerbung oder durch das mehrmalige Einsaugen von Schweiß und wieder Austrocknen war. Ich schenke Teile an Leute, die Angeln zum Fliegenfischen bauen.

<Roth> Ich habe es nicht gewagt, weil Lein-Öl ist, wie ich informiert bin ziemlich explosionsartig entzündlich.

<Pesch>Wahr genug, die kommerziellen Mittel haben Bestandteile (ohne die Dosen zu lesen, Alkohol und Spiritus) die es schneller trocknen lassen. Basierend auf Cenninis The Craftmans Handbook, Theophilus’On Divers Arts and Alessio Piemonteses The Secrets of Alexis of Piemont; und deren Anweisungen für die Herstellung von Versiegelung aus kochendem Lein-Öl, beide Methoden mit und ohne die Zugabe von Harz, könnte funktionieren, wenn man mit dem Rohmaterial beginnt und dann das Leder zugibt. Die Erörterung Cenninis, Öl durch Sonnen-Einwirkung vom Leder zu kochen erscheint mir aber fraglich, denn was kann es bringen ein Stück Leder mit Öl zu behandeln und durch langsame Hitze (Sonne oder Backofen) eintrocknen zu lassen? Ich glaube, ich muss eine Dose holen und dann damit experimentieren... besser draußen an einer Herdplatte oder auf dem Propankocher, alle Mittelalter-Schreiber berichten über die Entzündbarkeit des Zeugs. Was die Steifheit angeht, habe ich normale Öl-Versiegelung bei ein paar Projekten benutzt und es gab gute flexiblere Ergebnisse. Ich hoffe dass Lein-Öl genau so reagiert.


Anmerkungen des Übersetzers:
Ein paar interessante Meinungen. Persönlich bin ich vollstens mit der Kalt-, Heißwasser Methode für die Verformung und Härtung zufrieden. Wachs setze ich als Säuberungsmittel bzw. Wasserabweisung ein. Die Leute, die meine Rüstungen bekommen, werden folgendermaßen angewiesen: Die Rüstungen müssen, um die Körperform anzunehmen, durchnässt und bis zum Trocknen getragen werden. Ich gebe zu, das ist nicht das Bequemste, aber es funktioniert. Wachs als Härtungsmittel ist auch, wie ich informiert bin, nur für kleinere Gegenstände eingesetzt worden, sprich Flaschen, Taschen, Becher und Scheiden. Das Ledermuseum in Offenbach ist auch sehr informativ, was die Wachshärtung von Leder betrifft.
Person Balderik von obigem Gedankenaustausch scheint voll informiert zu sein. Cliff Wilkey berichtet über die Holzformen die mir auch bekannt ist, allerdings mit heißem Wasser statt Wachs.
Da es keinen Beweis für Rüstungen aus gehärtetem Leder gibt bis auf die Lorikons der Römer, die eigentlich ein Zufall war (die Soldaten haben sich das Fett von Essen auf die Rüstungen geschmiert als Wasserabweisung sowie um die Hände abzuputzen), weniger geplant.
Selbst als alter Soldat, wenn ich an die langen Märsche denke, die ich immer gemacht habe, weniger Gewicht rumzuschleppen war angenehmer als zuviel, trotz Kampfschutz.
Viel Spaß beim Lesen und verzeiht bitte mein Fehler.